Paulus 

Vom Christenverfolger zum Christusverkündiger 

Der Apostel Paulus hat das Christentum geprägt, wie kein anderer Apostel, insbesondere was die Mission seiner zahlreichen Reisen und die theologische Tiefe seiner Briefe betrifft. Doch wer war der Mann, der sich selbst als „Missgeburt“ und nie als Apostel bezeichnete?

 

Paulus – hebräisch: Saulus – wurde in Tarsus als Sohn vermögender Eltern, die das römische Bürgerrecht besaßen, um das Jahr 7 geboren. Er wuchs in einer griechisch-bürgerlichen Umgebung auf und beherrschte deshalb auch die griechische Sprache. Er erlernte vom Vater das Handwerk des Zeltteppichwebers. Da sein Vater zu den Pharisäern gehörte, folgte Paulus auch hier in seiner Ausbildung dem väterlichen Vorbild und zog für die fortbildenden Studien nach Jerusalem und wurde Pharisäer.

Bedingt durch seinen Glaubenseifer musste Paulus zum Verfolger der jungen Christengemeinde werden, die er als eine jüdische Sekte betrachtete, die vom Gesetz abwich und deshalb verfolgt werden musste. Die Bibel erzählt, dass Saulus bei der Steinigung des Stephanus die Kleider der Peiniger bewachte. Danach erhielt er den Auftrag in Damaskus die Christenverfolgung zu leiten. Doch die Begegnung mit dem Auferstandenen Jesus Christus auf seinem Weg nach Damaskus veränderte sein Leben und seine Haltung radikal. Paulus selbst bezeichnete das Damaskus-Erlebnis nicht als Bekehrung, sondern als Offenbarung von Jesus Christus. Bei diesem Erlebnis erblindete Paulus und wurde nach Damaskus geführt, wo er geheilt wurde und sich taufen ließ.

Bekannt war Paulus auch für seine zahlreichen Missionsreisen, die er wohl mit einem Mitarbeiterstab tätigte. Er blieb in vielen Städten, um dort neue Gemeinden zu gründen. Waren diese dann selbstständig genug, um ohne ihn zu bestehen, zog er weiter.

Vermutlich um das Jahr 67 starb Paulus eines natürlichen Todes. Legenden allerdings berichten davon, dass er im Jahr 64 unter der Christenverfolgung Neros durch das Schwert den Tod fand.

Die Briefe des Paulus geben uns noch heute sehr deutlich Einblick in dessen Theologie. Er übernahm den Glauben der Jerusalemer Urgemeinde, dass Jesus der erwartete Messias sei. Im Gegensatz zu Jesus stellte Paulus nicht den himmlischen Vater, sondern den auferstandenen Christus ins Zentrum seiner Verkündigung. Er lehrte, Gott habe mit der Hingabe seines Sohnes auch die heidnischen Stämme in seinen Bund aufgenommen, aber im Unterschied zum jüdischen Volk geschah dies nun nur aus Gnade. Zur Annahme dieser Gabe Gottes sei allein der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Jesus notwendig. Damit legte er den Grundstein für die, von der Judenmission abgespalteten, Heidenmission nieder.

Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die der allmächtige Gott den Menschen erweist. Diese Gnade allein und nichts anderes lässt den Menschen leben, macht ihn wieder heil, rettet ihn. Auf diese Gnade hat der Mensch keinen Anspruch, er kann sie sich nicht durch Leistung verdienen. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Paulus interpretierte den Kreuzestod Christi dahingehend, dass Gott Christus zum Sieger über die Macht der Sünde gemacht hat. Im Gegensatz zur seinerzeit herrschenden Vorstellung forderte er seine Zuhörer nicht auf, bestimmte Sünden zu bereuen, sondern vielmehr dazu, Gottes Sieg über alle Sünden durch das Kreuz Christi zu verkünden.

Der Gedenktag von Paulus (und Petrus) ist der 29. Juni. Zur Erinnerung an das ungefähre 2000. Geburtsjahr des Apostels hat Papst Benedikt XVI. ein Paulusjahr ausgerufen, das er am 28. Juni 2008 gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I. in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern eröffnete.

Paulus - Vom Verfolger zum Apostel Jesu Christi

 

 

Die Teilnahme Saulus’ an der Verfolgung der Christen ermöglichte es ihm, Frauen und Männer zu treffen, die Jünger Jesu waren. Sie stellten seine Überzeugung in Frage und luden ihn ein, den Glauben an Jesus Christus, den Gekreuzigten, anzunehmen.

 

Nach seiner eigenen Aussage erschütterte ihn ein unerwartetes Ereignis so sehr, dass er sein Leben völlig änderte.  Ein „Licht“ machte ihn blind und Jesus Christus selbst rief ihm zu: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ „Wer bist du, Herr?“ „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Dieses Treffen mit dem Auferstandenen war das grundlegende Ereignis, das Paulus die Autorität verlieh, das Evangelium zu verkünden. Folglich schrieb er den Korinthern, nachdem er die Erscheinungen des Auferstandenen aufgezählt hatte: „ als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“.“ (1Kor 15, 8)

 

Nach einem kurzen Aufenthalt in Damaskus, wo er von Hananias die Taufe empfing, ging er nach Arabien in das Land der Nabatäer.

Auseinandersetzungen mit dem König des Landes zwangen Paulus nach Damaskus zurückzukehren. Von dort musste er erneut flüchten, da ihm die Verfolgung drohte. Man verhalf ihm zur Flucht, indem man ihn in einem Korb durch ein Fenster herabließ (2 Kor 11, 32).

Nach drei Jahren brach er nach Jerusalem auf, wo er „Kephas“ traf, und auch „Johannes, den Herrenbruder“. Das Misstrauen der Christen Jerusalems gegenüber Paulus war sehr stark, und es ist der guten Arbeit des Barnabas zu verdanken, dass sie beide akzeptiert wurden. Wir befinden uns ungefähr im Jahr 39 und Saul ist zirka 31 Jahre alt.

 

Ø Textvorschläge zur persönlichen Lektüre: Apg 9,3 – 30; Gal 1,12 – 2,10.



1. Einige persönliche Daten über Paulus

 

Paulus war Jude, aus Tarsus in Zilizien; vermutlich wurde er in den Jahren 8-10 unserer Zeitrechnung geboren.  Nach seiner eigenen Aussage wurde Paulus, „am achten Tag beschnitten, bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz…“ (Phil 3,5) Aber er hatte auch das römische Bürgerrecht.

 

Im Alter von ca. 15 Jahren wurde er nach Jerusalem geschickt, um dort im jüdischen Gesetz „zu  Füβen Gamaliels“, (Apg 22,3) dem großen jüdischen Gelehrten dieser Zeit, ausgebildet zu werden. Paulus ragte durch seinen Eifer aus der Gruppe seiner Mitschüler heraus.

 

Es wird darüber hinaus berichtet, dass er das Handwerk des „Zeltmachers“ erlernt und ausgeübt habe (Apg 18,3) um mit seiner Hände Arbeit für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. (1Kor 4, 12;  1 Thess 2,9)

 

Paulus sprach Aramäisch, Hebräisch, Alltagsgriechisch und man geht davon aus, dass er sich auch in lateinischer Sprache, der Sprache der Römer, ausdrücken konnte.

 

Im Jahr 30 ist Saul in Jerusalem und es ist sehr wahrscheinlich, dass er von den  Umständen, die zur Hinrichtung Jesu geführt hatten, gehört hatte. Wie er selbst berichtet, wurde er zu einem fanatischen „Verfolger der Kirche“ (vgl. Gal 1,13)  Tatsächlich ist die erste Anspielung, die die Apostelgeschichte auf Paulus macht seine Teilnahme an der Steinigung des Stephanus (Apg 8,1), die vermutlich im Jahre 34 nach Christus stattfand. Zu dieser Zeit ist Saul 25 Jahre alt.

 

Ø Textvorschläge zur persönlichen Lektüre: Phil 3, 5-6; Gal 1, 13; Apg 22, 1-5. 25-28

3. Die erste Missionsreise des Paulus

 

Im Jahr 39 kehrte Paulus, nach einem kurzen Aufenthalt in Jerusalem in seine Geburtsstadt Tarsus zurück. Dort blieb er drei oder vier Jahre bis Barnabas ihn als seinen Stellvertreter nach Antiochia holte. Denn nach der begonnenen Verfolgung durch die  führenden Juden in Jerusalem hatte sich eine Gruppe von Christen in Atiochia niedergelassen und sich auch den Heiden geöfffnet. Als die Verantwortlichen der Kirche Jerusalems diese Situation wahrgenommen hatten, entsandten sie Barnabas sofort dorthin. Sehr schnell denkt er, dass Paulus ihm eine Hilfe für seine Arbeit wäre. Er reist nach Tarsus, um ihn zu holen. Saul kommt also zur Gemeinde von Antiochia, wo die Anhänger Jesu zum ersten Mal als Christen bezeichnet werden. Wir befinden uns ungefähr im Jahr 44 (Das Jahr in dem der Statthalter Agrippa I. Jakobus, den Bruder des Johannes, köpfen ließ.). Saul ist etwa 36 Jahre alt.

 

Zwischen den Jahren 45 und 49 machten Barnabas und Paulus ihre erste Missionsreise. Sie reisten mit dem Schiff zu der Insel Zypern. Dort in Paphos nahm Saul den Namen Paulus an (der Kleine, der Schwache) Die Abänderung des Namens ist eine Hellenisierung  des Namens Saul. Die Namensänderung machte es Paulus gleichzeitig möglich so auch die Idee seiner eigenen Kleinheit und Schwachheit gegenüber Gott und auch gegenüber seinen Brüdern Ausdruck zu verleihen.

 

„Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin es nicht wert Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.“ (Kor 15, 8-9; vgl: Eph 3, 8-9)

Nachdem sie Pahos verlassen hatten, kamen sie zu den Städten Perge, Antiochia in Pisidien, Ikonium, Lystra und Derbe. Ihre Gewohnheit, sich zunächst an die Juden zu wenden, stellte sich als Fehlschlag heraus, denn diese blieben ungläubig und reagierten ihnen gegenüber gewalttätig.

Also wechselten die Missionare ihre Vorgehensweise und öffneten sich den Heiden. Daraus entstanden die ersten christlichen Gemeinden heidnischer Herkunft.

Ø Textvorschläge zur persönlichen Lektüre: Apg 11,19-26; Apg 13,1 –

4. Das Apostelkonzil in Jerusalem und die zweite Missionsreise des Paulus

 

 

Nachdem Paulus und Barnabas nach Antiochia zurückgekehrt waren, blieben sie in der Gemeinde, bis sie nach Jerusalem geschickt wurden. Dort sollten sie mit den Verantwortlichen der Kirche die Frage diskutieren, ob zum Christentum konvertierte Heiden beschnitten werden müssen. So sollte der durch diese Frage ausgelöste Konflikt beigelegt werden (Wir befinden uns im Jahr 49). Bei dieser Versammlung, und nach einer langen Diskussion, erhoben sich die Stimmen von Petrus und Jakobus, die Paulus Recht gaben, indem sie anmerkten, dass Gott nicht wie ein Mensch urteilt, und dass die Beschneidung von Heidenchristen nicht notwendig sei. Diese Entscheidung verstärkte endgültig die Ausweitung des Christentums über die Welt und die Erfüllung seiner universellen Berufung.

 

Die Versammlung in Jerusalem entsandte einen Brief, der alle Brüder erfreute. Paulus blieb ungefähr zwei Jahre in der Stadt Antiochia. Danach brach er zu seiner zweiten Missionsreise auf. Dieses Mal ohne Barnabas, der er sich mit ihm wegen Markus zerstritten hatte; dafür begleitete ihn Silas.

Diese zweite Missionsreise dauerte zwei Jahre (50-52).  Von Antiochia aus begab er sich nach Tarsus, Derbe und Lystra (von dort aus nahm er Timotheus mit, den er erstaunlicherweise beschneiden ließ), Ikonium, Antiochia in Pisidien, Troas, Philippi (wo er Lydia traf), Tessalonich, Beröa, Athen (hier hielt er eine bewegende Rede vor dem Areopag; vgl.: Apg 17,22 ff). Von dort aus reiste er nach Korinth (dort traf er Aquila und Priszilla). In Korinth schrieb er seinen ersten Brief an die Thessalonicher.

 

Nachdem er fast zwei Jahre in Korinth war, musste Paulus die Stadt wegen Verfolgungen verlassen (Apg 18,1 ff). Er brach mit Aquilla und Priszilla nach Ephesus auf, wo sie sich zusammen niederließen.  Später begab er sich mit einem Schiff nach Cäserea. Von dort stieg er nach Antiochia hinauf, nachdem er die „Kirche gegrüßt hatte“ (vielleicht die von Jerusalem) (Apg 18,22). Auf seiner ganzen zweiten Missionsreise gründete Paulus nach und nach neue, junge, christliche Gemeinden.

 

Ø Textvorschläge zur persönlichen Lektüre: Gal 2,1-10; Apg 15,30 – 16,15.

5. Die dritte Missionsreise des Paulus

 

 

Im Jahr 53 bricht Paulus zu seiner dritten Missionsreise auf, die ungefähr 5 Jahre dauern wird. Im ersten Reiseverlauf durchquert Paulus beiläufig Tarsus, Derbe, Lystra, Iconium und Antiochia in Pisidien, wo er während seiner vorherigen Reisen Gemeinden gegründet hatte. Schließlich kommt er nach Ephesus. Hier hat Paulus sich vermutlich in den Jahren 54 bis 57 aufgehalten, um an die Gemeinden in Korinth und Galatien zu schreiben.

 

Im Winter des Jahres 58 befindet sich Paulus in Korinth – von dort aus hat er sehr wahrscheinlich seinen Brief an die Römer geschrieben. Lukas nennt uns die Namen seines Missionsteams: «Sopater, der Sohn des Pyrrhus, aus Beröa, Aristarch und Sekundus aus Thessalonich, Gaius aus Derbe und Timotheus sowie Tychikus und Trophimus aus der Provinz Asien». An Ostern des Jahres 58 befindet Paulus sich bereits in Philippi, wo er sich mit dem Schiff nach Cäsarea begibt. Von dort aus beginnt er seine Reise nach Jerusalem.

 

Er trifft Jakobus, den « Herrenbruder », welcher das Oberhaupt der Gemeinde ist; wiederum muss er seinen Dienst an den Heiden rechtfertigen: man hält am Abkommen der Versammlung vom Jahr 49 fest. Am Pfingstfest des Jahres 58 wird Paulus im Tempel verhaftet. Aus Asien kommende Juden erkennen ihn wieder als den Menschen, «der in aller Welt Lehren verbreitet, die sich gegen das Volk und das Gesetz und gegen diesen Ort richten» ; außerdem klagt man ihn an « Griechen in den Tempel mitgenommen und diesen heiligen Ort entweiht » zu haben (Apg 21, 28). Die tobende Menge will ihn töten; Paulus verdankt sein Leben dem Eingriff der römischen Kohorte, bei welcher er seine römische Nationalität geltend macht (Apg 22, 25ff).

 

 

Ø Textvorschläge zur  persönlichen Lektüre : Apg 19,1-10. 21-22 ; Apg 20,1-16